Knickfuß


Der kindliche Knick- Plattfuß

Der kindliche Knickfuß oder Plattfuß ist ein häufiger Normalbefund und sollte nicht Anlass nutzloser diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen sein. Insbesondere ist eine Passiveinlage in keinem Fall indiziert

Welche Plattfußindianer muss man behandeln, damit aus ihnen mal richtige Häuptlinge werden können?

Die Sorge um den „Plattfuß“ des Kindes ist eine der häufigsten Ursachen, weshalb besorgte Väter und Mütter mit ihren Sprösslingen den Orthopäden aufsuchen. Die Knickfüßigkeit zusammen mit der Abflachung des Längsgewölbes sorgen zudem für einen vermehrten Verschleiß der ohnehin teuren Kinderschuhe.

Diagnostik:

Hierzu möchte ich Ihnen den in der Einführung erwähnten Satz nochmals ans Herz legen: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!!!

Sie haben ein gänzlich anderes hormonelles Gefüge im Körper und verfügen noch nicht über die stabilisierende Wirkung der Geschlechts- und Wachstumshormone, die während der Pubertät sichtbar den kindlichen Körper beeinflussen. Deshalb besitzen normal entwickelte Kinder (aus der Sicht eines Erwachsenen) eine natürliche Muskelschwäche. Diese bewirkt zusammen mit einer anderen, kindlichen Stellung der Schenkelhälse (Antetorsion) im Hüftgelenk eine Knick-Plattfüßigkeit, die in den allermeisten Fällen keinerlei Therapie bedarf.

Ob es sich bei Ihrem Kind um einen „normalen“ Knick-Plattfuß handelt, können Sie selber prüfen, indem Sie ihr Kind auf die Zehenspitzen stellen lassen. Zeigt sich hier eine gute Gewölbeaufrichtung (wie im Foto), handelt es sich um besagten Normalbefund. Bei Kindern, denen das nicht oder nur unvollständig gelingt, ist eine weitere ärztliche Abklärung notwendig. Hier handelt es sich häufig um Kinder mit zusätzlichen Störungen des Gleichgewichts und der Wahrnehmung, die verbunden sein können mit einem großen Netz weiterer Auffälligkeiten wie mangelnder Konzentration, fein- und grobmotorische Störungen, allgemeiner Muskelschlaffheit (Hypotonie), Aufmerksamkeitsdefizite und so weiter. Der flexible bzw. krankhafte Knick-Plattfuß ist damit nur Symptom einer funktionell gestörten Kette, die den ganzen kindlichen Organismus in ihren Regulationsmechanismen betrifft.

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Beispiel für einen stark ausgeprägten Knick-Senkfuß, der sich aktiv jedoch sehr gut aufrichten lässt.
Wenn das Kind keine zusätzlichen Auffälligkeiten hat (z.B. eine Gleichgewichtsstörung) würde man
hier sogar eher die weitere Entwicklung abwarten.

Therapie – sind Einlagen sinnvoll?:

Eine passive Einlagenversorgung ist in jedem Fall nicht notwendig, ja sogar kontraproduktiv. Ebenso gilt das für die zeitlich sehr aufwendige Krankengymnastik zur Stärkung der Fußmuskulatur.

Das heißt, ein kindlicher Normalbefund benötigt schlichtweg keinerlei Therapie, weil etwas Normales nicht noch normaler gemacht werden kann.

Im Gegensatz dazu kann die passive Einlagenversorgung die Entwicklung des kindlichen Fußes negativ beeinflussen, weil diese passive Stütze eine falsche Information über Tausende Fußsensoren an das Großhirn bewirkt. (Dass Sie auch ganz viele von denen besitzen merken Sie erst, wenn ein winziger Stein im Schuh drückt). Das Großhirn wiederum ändert die muskuläre Ansteuerung der Fußmuskulatur. Eine passive Einlage bewirkt letztlich eine zusätzliche Schwächung der Fußmuskulatur, indem dem Fuß „suggeriert“ wird, dass eine aktive muskuläre Aufrichtung wegen der passiven Stütze nicht mehr notwendig ist. Bitte fragen Sie uns jetzt nicht, warum dieses nutzlose und kontraproduktive Hilfsmittel noch verordnet und von den Krankenkassen bezahlt wird.

Bei krankhaften Knick-Plattfüßen kommen verschiedene Methoden der konservativen und manchmal auch operativen Orthopädie zum Einsatz. Dies sollte aber nur im Zusammenhang mit der Behandlung der Grundstörung, nämlich des fast immer vorhandenen Defizites in der Wahrnehmungsverarbeitung geschehen. Die Wahrnehmungsstörung kann man mit der Atlasimpulstherapie positiv beeinflussen, zudem kommen immer mehr aktive Einlagenmodelle, sogenannte „sensomotorische Einlagen“ zum Einsatz.

Beispiel für eine operative Knickfußversorgung mittels Calcaneus-Stopp-Schraube

sensomotorische Einlage (das spezielle Relief aktiviert die Fußmuskulatur) für Knickfüße von Kindern, die zusätzlich Gleichgewichts- und Koordinationsstörungenaufweisen